Set-Top-Box und Stand-alone-Display: Webvideo-Pionier Allaire über Apples TV-Pläne

18.12.2012 von
 

Kommt es? Kommt es nicht? Wann kommt es? Was kann es? Groß und laut ist das Rätselraten um Apples vielfach diskutierten Fernseher, das ominöse iTV. Jeremy Allaire, seines Zeichens Flash-Erfinder und Gründer des Web-Video-Anbieters Brightcove, hat eine beeindrucke Vision eines Apple-Fernsehers entworfen. Ein wichtige Rolle spielen dabei Apps, die den Fernseher intelligent mit dem Apple-Kosmos vernetzen.


Allaire geht davon aus, dass Apple mit seinem Fernehkonzept künftig zweigleisig fährt. Geht es nach dem Webvideo-Experten, ist das iTV als Set-Top-Box für 149 Dollar und als luxuriöser, upgradetauglicher Fernseher verfügbar. In aktuellen Dimensionen gedacht würde das bedeuten: ein Apple-TV mit Live-TV-Kompatibilität und ein riesiger iMac.

Auch wenn eine Set-Top-Box-Strategie aus Cupertino fragwürdig scheint, sind Allaires Argumente dafür recht einleuchtend. Demnach sei ein solches Gerät notwendig, um rasch eine Plattform zu etablieren und zu erhalten in einem Segment, das laut Allaire sei das ein 5- bis 10-Milliarden-Dollar-Markt.

Den Schlüssel zum Königreich halte Apple schon längst in seinen Händen: iOS. So würde nicht nur jedes Endgerät aus Cupertino als Fernbedienung taugen. Vielmehr würden iTV und Apples Ökosystem sich gegenseitig befruchten. Entwickler könnten ihre Anwendungen für den Fernseher erweitern, glaubt Allaire.

“Die Kombination aus Touchsteuerung und Fernsehen wird eine neue Ära von Dual-Screen-Anwendungen in Sachen Design und Entwicklung einläuten”, heißt es in seinem Artikel auf AllThingsD. Kein schlechter Ansatz, oder? Hier ist nicht die Rede von Apps “nur” für den Apple-Fernseher, sondern vielmehr von smarten Anwendungen, die auf iPhone, iPad oder iPod touch funktionieren und sich logisch für ein iTV erweitern lassen.

Einen Haken hat Allaires iTV-Vision allerdings. So geht der Flash-Erfinder davon aus, dass Apple zum Launch des Geräts mit großen Kabelnetzbetreibern Exklusivdeals macht – so wie es Apple-Gründer Steve Jobs einst mit AT&T in den USA und T-Mobile in Deutschland tat. Die anderen Anbieter werden dann schon freiwillig Schlange stehen, so der Gedanke dahinter.

Doch die großen nationalen Kabelanbieter sind nicht unbedingt angetan von Apples Provisionsmodell. Wer bislang gutes Geld verdient, hat kein Interesse daran, mit 30 Prozent Provision die Apple-Geldspeicher zu füllen. Wie das Wall Street Journal in Erfahrung gebracht haben will, befindet sich Apple seit einiger Zeit in Gesprächen mit großen US-Kabelnetzbetreibern. Im Mittelpunkt der Treffen soll die Entwicklung einer Set-Top-Box stehen, die neben Streaming auch Live-TV wiedergeben könnte. Großkonkurrent Samsung ist bereits im Set-Top-Box-Markt aktiv, allerdings mit mäßigem Erfolg.

US-Kabelanbieter hegen noch große Zweifel

Vor allem in den USA gilt der Kabelmarkt als zerklüftet und bundesstaatlich organisiert. Doch Apple braucht einen nationalen Verbreitungskanal. Allerdings konnte man sich laut WSJ noch zu keinem Ergebnis durchringen.

Laut WSJ befürchten die Kabelanbieter, dass Apple der Beziehung zum Kunden nachhaltig schaden könnte. Man will keinen Mittelsmann. Apples Policy, für die Vermittlung von Transaktionen jeglicher Art eine Provision von 30 Prozent zu verlangen – etwa im Appstore – hätte die TV-Anbieter vergrault, zitiert das US-Blatt eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle.

Also alles nur heiße Luft? Fakt ist: Apples CEO Tim Cook traf sich im vergangenen Monat mit Glenn Britt, dem CEO von Time Warner Cable, auf dessen hauseigener Medienkonferenz. Laut WSJ sei Time Warner Cable einer der großen Netzbetreiber, mit denen Apple seine TV-Pläne diskutiert. Für den Konzern aus Cupertino könnte das TV-Segment nach dem iPod, dem iPhone und dem iPad der nächste Milliardenmarkt sein. CEO Tim Cook erklärte erst kürzlich im TV-Interview mit NBC, dass man große Interesse am Fernsehsegment hätte. Eine Aussage mit Gewicht von einem Unternehmen, das sein erfolgreiches Apple TV bislang als “Hobby” abtat.




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