iPad im Flieger: die Revolution über den Wolken

26.12.2012 von
 

Apples iPad spielt im modernen Luftverkehr eine immer größere Rolle. Die Revolution in den Lüften soll jedoch nicht nur Piloten und Servicepersonal helfen, sondern auch bald Passagiere erreichen und den Aufenthalt an Bord zu einem unvergleichlichen Erlebnis über den Wolken machen.


Aufheulende Turbinen, leuchtender Stahl in der Morgensonne, ein Cockpit wie ein technoider Dom: Kein Zweifel, der moderne Luftverkehr ist noch immer ein Aushängeschild menschlichen Fortschritts und die Spitze der Mobilität. Bis man ein Flugzeug betritt.

Spätestens mit dem Erreichen der Startphase müssen jegliche Handys abgeschaltet werden und das auf dem Boden mittlerweile allgegenwärtige Internet verschwindet mit jedem Höhenmeter weiter und weiter in einem Nirvana aus Luft, Wolken und Nicht-Konnektivität.

Was eben noch wie der Höhepunkt technischer Entwicklung anmutete, erscheint mit einem Schlag wie ein Vakuum außerhalb der heutigen Zeitrechnung und längst zum Alltag gewordener Gewohnheiten. Das Erlebnis Flugzeug wird zur abgeschotteten Parallelwelt.

Besserung in Sicht
Das weiß man mittlerweile auch bei British Airways. Anfang des Jahres lud das traditionsreiche Flugunternehmen insgesamt vierhundert regelmäßige Passagiere zu seinen Standpunkten in London, New York und Shanghai ein, um mit ihnen über Ideen und Wünsche für ein besseres Reiseerlebnis zu diskutieren. Ein Stichwort, das in diesen Gesprächen immer wieder fiel, war das iPad. Besonders Vielflieger wünschen sich die Integration von Apples Tablet-Computer in ihren Reisealltag an Bord.

Ein Impuls, der Frank van der Post, leitender Direktor für Kundenzufriedenheit bei dem britischen Unternehmen, nicht ganz neu ist: „Vor fünf Jahren konnten wir schlichtweg noch nicht ahnen, wie wichtig iPhone und iPad für unsere Passagiere werden und was für eine große Rolle die Geräte im Kundenverkehr heute spielen würden“, erzählt er.

Mittlerweile kann der Weckruf jedoch nicht mehr überhört werden, und so wird British Airways die Apple-Produkte als Teil eines 100 Millionen Britische Pfund schweren Programms anschaffen, mit dem seit 2010 das Reiseerlebnis besonders für Passagiere der Business-Klasse verbessert werden soll.

In einem ersten Schritt werden 1.200 Stewardessen und Stewards mit iPads versorgt, damit noch an Bord über Anschlussflüge,
Gateways und Verschiebungen informiert werden kann. In der nächsten Phase werden in einem Testlauf Mitglieder des Bodenpersonals des Gatwick-Flughafens nahe London mit den portablen Rechnern ausgerüstet, um hier Kunden und Passagiere zu beraten und ihnen bei der Buchung von Flügen zu helfen.

Doch auch beim Luftverkehr mahlen die Mühlen traditionell langsam, wie Tourismus-Veteran van der Post zu berichten weiß: „In Flugzeugen müssen besonders strikte Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden,“ gibt er zu bedenken, „aber wir rechnen mit einem Start des Programms schon in den kommenden Monaten.“

iPad zu vermieten
Andere Fluggesellschaften sind da schon zwei Schritte weiter. Das asiatische Luftverkehrsunternehmen Scoot Pte legt das iPad nicht nur in die Hände der eigenen Belegschaft, sondern empfängt seine Gäste mit einem interessanten Mietangebot an Bord: Für 17 Dollar kann sich jeder Passagier während des Flugs mit einem Tablet ausrüsten und erhält damit Zugriff auf das bordeigene Angebot an Musik, Filmen, Spielen und TV-Sendungen. Reisende der Business-Klasse dürfen den Service sogar ohne weitere Kosten nutzen, da er in ihrem höheren Tarif bereits enthalten ist.

Doch das zu Singapore Airlines gehörende Unternehmen hat noch andere Gründe für den Einsatz des iPad: „Tablet-Computer
helfen uns dabei, das Gewicht unserer Flugzeuge um immerhin sieben Prozent zu senken“, berichtet Campbell Wilson, CEO von
Scoot. Konkret ausgedrückt, bedeute dies eine Einsparung von zwei Tonnen pro Flug durch das Ausmisten längst überholter

Entertainment-Systeme – ein Wert, der ökonomisch wie ökologisch attraktiv ist. „Treibstoff ist der bei Weitem größte Kostenfaktor im Luftverkehr und macht vierzig Prozent der Betreiberkosten aus“, erklärt Wilson dem Wirtschaftsdienst Bloomberg. Zusammen
mit der Vermietung der iPads und den sonstigen Serviceverkäufen an Bord hofft er, die Ticketpreise des Billigfluganbieters weiter
gering zu halten oder sogar zu senken – ein Geschäftsmodell, das laut Corrine Png, Transportexpertin bei der US-amerikanischen
Unternehmensberatung JPMorgan Chase & Co., durchaus funktionieren könnte: „Je leichter ein Flugzeug ist, umso günstiger ist
es“, zeigt sie sich angesichts der Kostenspirale überzeugt, „und umso billiger können die Flüge angeboten werden.“

Weitere Verbesserungen plant Scoot indes noch für die nahe Zukunft: Verschiedene Wireless-Router sollen Passagieren an Bord freien Internetzugang gewähren und sie in Netzwerken gegeneinander in Computerspielen antreten lassen – das iPad unterhält nicht nur, es verbindet auch.

Doch Scoot Pte steht längst nicht mehr allein mit seinem Angebot, andere Fluggesellschaften ziehen zwar langsam, aber sicher nach. So macht auch die ausschließlich über Australien operierende Billigfluggesellschaft JetStar ihren Passagieren ein Tablet-Mietangebot auf allen Flügen, die länger als 90 Minuten dauern. Und der isländische Anbieter Iceland Express versorgt seine Kunden auf jedem Transatlantikflug mit dem iPad.

Andere Unternehmen lagern den Service kurzerhand aus: Delta arbeitet etwa in einem Testprogramm mit dem St. Paul International Airport im US-amerikanischen Minneapolis zusammen, bei dem ein iPad für knappe 30 US-Dollar pro Tag gemietet werden kann. Nach Gebrauch und Flug wird es einfach in einer eigens entworfenen Retour-Box zurückgeschickt.

Erst einmal wieder sicher auf dem Boden angekommen, übernimmt die Firma Flying Connected den Service und rüstet Touristen, die New York City besuchen, mit einem iPad inklusive virtuellem Tourguide und Stadtplänen aus – Lieferung ins Hotelzimmer inklusive.

In Europa wird derzeit ein ähnliches Angebot getestet: Die spanische Firma PadInTheCity empfängt Reisende in Madrid und stellt ihnen ein iPad zur Erkundung der Stadt sowie für die berufliche und private Nutzung gegen eine Gebühr von 30 US-Dollar pro Tag zur Verfügung – ein Angebot, das laut Unternehmensleiter Juan Gomez besonders gern von Amerikanern, Briten und Deutschen genutzt wird.




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