Ihr erstes Mal – Hörbuch-Newcomer im Herbst!

14.11.2012 von
 

Neue Hörbücher im Herbst 2012Die neuen Autoren der deutschen Literatur sind laut der Wochenzeitung DIE ZEIT um die Dreißig und haben uns viel zu sagen. Bis ihre Werke als Hörbuch erscheinen, dauert es allerdings leider ein Weilchen. So sehe ich mich also unter den „anderen Neuen“ um – also bei Autoren, deren Bücher in diesem Herbst zum ersten Mal als Hörbücher erscheinen.


Cover_Rautenberg_ Ich nehme alles zurück

Juli Rautenberg ist so eine frisch gebackene Autorin: Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil ist witzige Frauenliteratur, ziemlich pfiffig und vor allem vielversprechend. Ihren Erstling Zwölf Monate, ziebzehn Kerle und ein Happy End wird es nun hoffentlich auch bald als Hörbuch geben!

Neu bei Audible ist auch Lord Stonevilles Geheimnis von Sabrina Jeffries. Das Hörbuch ist im England des 19. Jahrhunderts angesiedelt und besticht mit sympatischen Figuren und einer skandalösen Familie. Es wird von Cathlen Gawlich gesprochen und erscheint am 25.10. Es wird euch dann gefallen, wenn ihr gerne historische Fantasy-Romane mögt. Weitere Hörbücher von Sabrina Jeffries sind in Planung!

Wer Psychothriller mag, kann sich über ein weiteres Hörbuch-Debüt bei Audible freuen: Jonas Winner hat mit seinem ersten Psychothriler Der Architekt eine rasante Story vorgelegt, fesselnd gesprochen von Uve Teschner.

Er ist wieder daDoch jetzt wird es ernst: In diesem Herbst trat ein ziemlich skurriles Hörbuch in Erscheinung. Timur Vermes war bisher Journalist und Ghostwriter, jetzt  veröffentlicht er selbst. Die Idee ist laut Vermes ganz einfach: Er ist wieder da. Adolf Hitler wacht in Vermes Geschichte nicht im Berliner Bunker von 1945 sondern im heutigen Berlin neben einem Zeitungskiosk auf. Zunächst ist er irritiert, doch dann passt sich Hitler schnell seiner Umgebung an, trifft und beschimpft Gott und die Welt, Politik und Gesellschaft. Die Gedanken Hitlers spinnt Vermes in Ich-Form zusammen, gesprochen wird das Hörbuch von Christoph Maria Herbst - aberwitzig, skurril – bemerkenswert.

Wir trafen den Autor auf der Buchmesse zu einem kurzen Gespräch.

Hörbücher-Blog: Herr Vermes, wie lange haben Sie sich mit diesem Buch beschäftigt, bevor Sie es veröffentlichten?
Timur Vermes: Meine erste Idee war der Gedanke an Hitler heute. Wie wäre er? Der fände sicher die Veronika Ferres gut. Irgendwie dachte ich weiter in diese Richtung und so haben sich daraus Anschlussgedanken ergeben. Diese Perspektive ins Hier und Jetzt zu übertragen, löst so einiges aus. Ich bin diesen Weg einfach weiter gegangen.

Hörbucher-Blog: Ihr Text ist durch die Ich-Perspektive etwas Neues, er hat aber auch sehr skurrile Züge. Man lacht viel, doch es ist häufig bitter böser Ernst. Was wollten Sie erreichen?
Vermes: Hitlers innere Logik ist zwar sehr seltsam, aber wenn man diese Logik einmal hat, kann man damit viele Dinge betrachten. Das habe ich getan. Ich hatte nie vor, die Gags zu nehmen und dann mit ein paar deftigeren Stellen zu konterkarieren. Klar, ich wollte die Gags, ich wollte aber dem Leser auch klar machen, mit wem er da eigentlich lacht. Dazu gehört unverschönt draufzuhauen, es muss richtig weh tun. Nur so macht das Thema Sinn. Ich wollte keinen Hitler erschaffen, der sympathischer ist, als er wirklich war.

Hörbücher-Blog: Wie war denn Hitler Ihrer Meinung nach?
Vermes: Ich glaube er war charmanter und sympathischer als ihn viele gerne hätten, aber ich muss die andere Seite genauso darstellen. Diese knallharte Brutalität kommt unter dem Charme vollkommen beiläufig heraus. Alle brutalen und eiskalten Anschauungen und Entscheidungen passieren so beiläufig, das war mir wichtig – das wollte ich zeigen.

Hörbücher-Blog: Mögen Sie die Art, wie Christoph Maria Herbst ihren Text Hitler getreu spricht?
Vermes: Ich konnte mir anfangs gar nicht vorstellen, dass man diesen Duktus so lange durchhält. Aber Herbst hat einen Weg gefunden, indem er zum Beispiel sein Sprechtempo moduliert, oder indem er ab und zu etwas Gefühl beimischt.  Als ich es dann hörte, war ich wirklich erstaunt, wie toll Herbst den Text umsetzt.

Der Autor posiert noch für ein Foto, das nächste Interview wartet. An den umliegenden Ständen sehe ich mich unter den Sachbüchern um und ein weiterer Hörbuch-Newcomer fällt mir auf: Jan Becker, der Mann, der als Wundermacher in Deutschland bekannt wurde, wird diesen Herbst sein erstes Hörbuch bei Audible herausbringen: Ich kenne dein Geheimnis wird im November erscheinen. Ich kenne seins noch nicht und setze ihn sofort auf unsere Backstage-Interview Liste.

Die Tore des HimmelsIch treffe kurz darauf Sabine Weigand. Sie ist zwar keine blutige Anfängerin mehr als Autorin, doch auch sie stellt gerade ihr erstes ungekürztes Hörbuch vor: Die Tore des Himmels. Weigand ist promovierte Historikerin und legt besonders viel Wert auf echte Quellen und wahrhaftige Tatsachen in ihren Romanen.
Hörbücher-Blog: Frau Weigand, zum ersten Mal kommt ihr kompletter Roman als Hörbuch raus, was denken Sie dazu?

Weigand: Ich gebe zu, es tut schon weh, wenn Szenen, die ich besonders mag oder Fakten, die mir am Herzen liegen, in der Bearbeitung wegfallen. Ich habe gerade das Drehbuch zu meinem Roman Die Seelen im Feuer bei mir, da wird ja auch unglaublich stark gekürzt und geändert. Insofern freut es mich sehr, denn Die Tore des Himmels zum Hören ist jetzt wirklich mein Buch und nicht nur eine Essenz.

Hörbücher-Blog: Sie sind Historikerin und haben schon viele wissenschaftliche Arbeiten geschrieben. Ist ein Roman leichter zu schreiben oder schwerer?

Weigand: Ein Roman ist viel schwerer. Bei einer wissenschaftlichen Arbeit habe ich konkrete Vorgaben, an die ich mich unbedingt halten muss. Ich werte Quellen aus, ohne Erfinden von Figuren oder plausibler Handlung. Bei Romanen gibt es so viel mehr Fragen – ich muss mit ihnen klarkommen (lacht). Ich mochte Elisabeth in Die Tore des Himmels zum Beispiel ab Mitte des Buches überhaupt nicht mehr! Ich will ja nicht, dass es meinen Lesern genauso geht und frage ich mich ständig, wie ich die Figuren weiter gestalte. Ich frage mich auch, ob die Liebeszenen gut sind, ob die Geschichte jetzt nicht abdriftet und langweilig wird. Ständig habe ich Fragen an mich selbst, das ist sehr viel schwerer als Fragen an historische Quellen zu stellen.

Hörbücher-Blog: Wie viel Fiktion steckt denn in Ihren Büchern?
Weigand: Ich versuche möglichst nur die Löcher zu stopfen, die die Quellen offen lassen. Ich erfinde nichts hinzu, was nicht in den Lebenslauf der Figur passt. Natürlich denke ich mir die Dialoge und die konkreten Situationen aus, doch ich reiße mir sehr häufig am Riemen, um es nicht zu übertreiben. Meine Figuren sollen nicht zu sehr in die Fiktion abgleiten, die historischen Fakten bleiben mir das Wichtigste.

Hörbücher-Blog: Gibt es einen echten Geheimtipp in Sachen „Historische Sehenswürdigkeit?“
Weigand: Ach es gibt so schöne Orte in Deutschland! Ein kleiner Geheimtipp ist vielleicht das Kloster Himmelkron bei Kulmbach. Das ist ein ganz kleines Kloster mit einem wunderschönen Kreuzgang. Die Engel mit ihren Musikinstrumenten, die man dort findet, sind sehr außergewöhnlich. Musikwissenschaftler aus der ganzen Welt sehen sich diese Kuriosität an. Als Ausflugsziel wirklich traumhaft!

Hörbücher-Blog: Vielen Dank, Frau Weigand und Herr Vermes für das Gespräch.




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