Der neue iMac: Entschlossen bis auf den letzten Millimeter

31.10.2012 von
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Wer Apple verstehen will, muss sich nur die Historie des iMac anschauen. Seit 1998 arbeitet Apple daran, den perfekten Rechner zu entwickeln. An der grundsätzlichen Idee, Bildschirm, CPU und Speicher in einem Gehäuse zu verstauen, hat sich bis heute nichts geändert. Am neuen iMac zeigt sich aber die Entschlossenheit, mit der Apple seine Ziele bis ins kleinste Detail verfolgt.


Ein wenig drohte Apples Oktober-Event ein Langeweiler zu werden. Zu viel war im Vorfeld bereits über die zu erwartenden Neuheiten verbreitet worden. Das iPad mini galt als gesetzt. Und auch die Updates für den Mac mini oder das Retina-Display für die kleinere MacBook Pro-Variante hatten die geladenen Medienvertretern im California Theatre in San Jose schon längst in ihrer Berichterstattung berücksichtigt. Man hatte also – neben den Worten von Apple-CEO Tim Cook – ausgiebig Gelegenheit, die prunkvolle Kulisse des alten Kinosaals auf sich wirken zu lassen. Hier hatte bereits 2004 und 2005 der im vergangenen Jahr verstorbene Steve Jobs Neuheiten seines Unternehmens vorgestellt hatte.

Nach etwa einer halben Stunde – Apples Marketing-Chef Phil Schiller hatte gerade die Mac Minis abgehakt – kam der iMac auf die Agenda. Schiller erinnerte an die mittlerweile sieben Generationen umfassende Erfolgsgeschichte des Desktop-Rechners, die 1998 mit dem Bondi Blue iMac begann – damals noch mit Röhrenmonitor. In den USA sei laut Schiller kein Rechner häufiger auf Schreibtischen zu finden als der iMac. An diesen Erfolg wolle man anknüpfen und nun dem Publikum erstmals die nächste Generation des All-in-One-Computers präsentieren.

Schiller trat zur Seite und über die dunkle Leinwand zog sich eine filigrane silberne Linie, die sich wenige Augenblicke später als der Rahmen des neuen iMac entpuppte. Und zum ersten Mal an diesem Morgen des 23. Oktober erlebte das California Theatre so etwas wie einen „One More Thing“-Moment. Applaus und Beifallsrufe gaben Schiller das erhoffte Feedback. Damit hatte in der Form keiner gerechnet.

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Raketentechnologie für den Schreibtisch

Das Gerät, was Apple auf der Bühne präsentierte, war mehr als die konsequente Weiterentwicklung des iMac. Es entsprach vielmehr der Vorstellung einer Idee, wie wir in Zukunft unsere Schreibtische gestalten wollen. Reduziert auf das Minimum, dabei aber hochfunktionial und ästhetisch. Form folgt Funktion – dieser Design-Grundsatz spiegelte sich in jeder Facette des Computers, den Schiller auf der Bühne in alle Richtungen drehte.

Gerade mal fünf Millimeter misst der Rahmen des neuen iMac an seinen Außenkanten. Das Gehäuse ist so dünn, dass es nicht mit herkömmlichen Methoden geschweißt werden kann. Für die Verschmelzung von Vorder- und Rückseite verwendet Apple eine Technologie, die gewöhnlich bei Flugzeugtragflächen, Raketentreibstofftanks und anderen Teilen verwendet wird, die nicht versagen dürfen. Der Herstellungsprozess kombiniert enorme Reibungshitze und hohen Druck, um die Moleküle der beiden Aluminiumoberflächen zu vermischen. Ingenieure sprechen dabei vom Rührreibschweißen.

Ein Aufwand, der es anderen Herstellern erschweren wird, sich an der neuen iMac-Generation abzuarbeiten – sei es durch Innovation oder Kopie. Der Begriff „Kopie“ ist dabei keineswegs als Vorwurf zu verstehen. Der große Markt an iMac-ähnlichen Geräten zeigt lediglich, dass der moderne Schreibtisch nach dieser Form des Desktops verlangt. Nach nicht mehr als einem flachen Widescreen-Bildschirm sowie einer Tastatur und einer Maus, die kabellos die Befehle ins formvollendete Rechenzentrum übertragen. Flach heißt in diesem Fall, dass Apple das Gehäusevolumen gegenüber dem Vorgängermodell um 40 Prozent reduziert hat. Das sind keine Welten, aber genug, um Schiller im direkten Vergleich feststellen zu lassen: „Ist es nicht erstaunlich, wie etwas Neues seinen Vorgänger von jetzt auf gleich ganz schön alt aussehen lassen kann.“

Vielleicht hatte Apple diese Modellgestalt auch schon 2004 im Sinn, als man in Cupertino begann den Rechner hinter den Flachbildschirm im Gehäuse zu integrieren und auf einen massiven Fuß zu stellen. Aber erst heute stehen den Designern und Ingenieuren die Technologien zur Verfügung, mit denen sich das Rad diesen Schritt weiterdrehen ließ.

Fakten, Fakten, Fakten

Der neue iMac verdankt seine Form aber nicht nur den technischen Möglichkeiten, sondern auch der konsequenten Unternehmensstrategie. Erstmals verzichtet Apple beim iMac auf das optische Laufwerk wie auch schon zuvor beim MacBook Air, dem Mac mini und den MacBook Pro-Varianten mit Retina-Display. Die Gründe seien immer die gleichen, erklärt Schiller wenig später dem Time Magazine. „Grundsätzlich ist es eine gute Idee, unsere Rechner und anderen Geräte von rotierenden Medien zu befreien. Sie sind mechanisch und anfällig, sie fressen Strom und sind groß.“ Ohne sie könne man Produkte schaffen, die kleiner, leichter und stromsparender sind.

Apple schafft Fakten, wo andere unentschieden sind. Es ginge darum, die Dinge aufzuspüren, die ihren Nutzen überlebt haben, erklärt Schiller. „Unsere Konkurrenten haben Angst, diese zu entfernen. Wir versuchen hingegen, bessere Lösungen zu finden, und unsere Kunden bringen uns dabei sehr viel Vertrauen entgegen.“ Auch die technologische Entwicklung spricht für Apple. Heute kräht kein Hahn mehr danach, dass Apple einst den Blu-ray-Trend ignorierte. In Cupertino setzte man auf iTunes und die Cloud, mit der sich Filme auf allen Geräten abspielen lassen. Software kommt über den App Store auf die Hardware. Ein weiteres Beispiel für Apples strategisches Handeln: „Die Leuten meinten einst, dass Netbooks die Zukunft seien“, sagt Schiller. „Wir lehnten sie ab, weil wir sie für beschränkt hielten. Selbst als der Markt da war, sahen wir keinen Grund, dem Trend nachzujagen.“ Apples Antwort auf die 500-Dollar-Computer war das iPad.

iPad, MacBook Pro und iMac stehen für den Apple Way of Life. „Wir machen uns Gedanken über das, was wir tun – nicht, was die anderen tun“, sagt Schiller. Mit diesem Credo ist man groß geworden. So groß, dass man manchmal nicht mehr genau sagen kann, ob es die technologische Entwicklung ist, die Apples Strategie immer wieder bestätigt, oder ob Apple den Lauf der Computerwelt bestimmt.

Apple für Apple

Der neue iMac jedenfalls hat das Zeug dazu, wieder Maßstäbe zu setzen. Ein Bildschirm, der Blendeffekte um 75 Prozent reduziert. Dessen LCD direkt mit dem Frontglas verbunden ist und dadurch Inhalte weitaus plastischer erscheinen lässt, als es die durch ein neues Produktionsverfahren eingesparten zwei Millimeter vermuten lassen. Intel Vierkern-Prozessoren der dritten Generation und leistungsstarke NVidia-Grafikkarten sind obligatorisch.

Die Rolle des Trendsetters dürfte Apple beim Thema Speicher einnehmen. Als Fusion Drive bietet Apple für den iMac jene Speichertechnologie an, die bei anderen Herstellern schon seit einiger Zeit auf ihren Durchbruch wartet. Dabei handelt es sich um einen Hybrid, der die große Kapazität einer Festplatte mit der Leistungsfähigkeit des Flash-Speichers kombiniert. Häufig benutzte Apps, Dokumente, Fotos und andere Dateien bleiben im schnelleren Flash-Speicher, während weniger oft verwendete Objekte auf die Festplatte bewegt werden. Die Folge: Schnellerer Datenzugriff, kürzere Programmladezeiten.

Rund zehn Minuten dauerte Schillers iMac-Präsentation in San Jose. Ein neuer Meilenstein war gesetzt. Das Technologiekonzert beendete aber auch die Hoffnung all jener, die von Apple auch einmal einen billigeren Mac erwartet haben. Die neuen iMacs liegen im Preis rund 30 bis 50 Prozent über vergleichbaren Geräten der Konkurrenz. Schiller wiegelt ab: „Wir würden niemals etwas billig oder von minderer Qualität produzieren“, sagt er dem Time Magazine. „Unser Ansatz ist es immer, die Produkte zu bauen, die wir selber mit Stolz besitzen und nutzen wollen.“

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