WSJ: Wie Apple das Live-Fernsehen umkrempeln will

17.8.2012 von
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Bild: cultofmac.com

Es zeichnet sich ein klareres Bild ab von dem, was Apple in den Gesprächen mit Amerikas großen Kabelnetzbetreibern erreichen will. Das Unternehmen plant laut dem Wall Street Journal die Kombination von digitalem Videorekorder und Set-Top-Box, die alle Sendungen zeitunabhängig verfügbar macht. Bei der Navigation will sich Apple offenbar bei einem seiner Bestseller bedienen.


Das iPad ist der Liebling der Fernsehbranche. Viele TV-Sender sind mit eigenen Apps auf dem Tablet vertreten. Da verwundert es kaum, wenn Apple Teile iOS auch auf ein TV-Device übertragen will. Das Menü und die Navigation einer geplanten Set-Top-Box sollen sich an Apples mobilem Betriebssystem orientieren und damit einen Mehrwert gegenüber existierenden Modellen bieten.

Die kommen laut WSJ bei den Nutzern so gar nicht an. Ein veränderter Look allein dürfte potenzielle Kunden allerdings noch nicht zum Wechseln bewegen. So soll mit dem Apple-Videorekorder auch zeitversetztes Fernsehen möglich sein. Aber nicht so, wie es bislang von TV-Anbietern umgesetzt wird.

Alle Sendungen würden zwischengespeichert

Momentan funktioniert Time-Shift über die gezielte Aufnahme von Sendungen im Live-Betrieb, die sich dann wiederum pausieren und weiterverfolgen lassen. Apple plant laut WSJ allerdings ein Modell, bei dem alle Live-Sendungen im Web zwischengepuffert werden, unabhängig vom Nutzer. Kommen Sie also etwa am Sonntag erst gegen 20.30 Uhr nach Hause und wollen den “Tatort” eventuell von Beginn an sehen, würde das Gerät auf den Stream zugreifen, der passend zum Live-Programm mitlaufen würde.

Keine allzu schlechte Idee, oder? Tatsächlich hat Time Warner Cable dieses Feature bereits im Einsatz – allerdings nur in begrenztem Umfang. Denn die Rechte an den Inhalten liegen nicht bei den Kabelnetzbetreibern, sondern den Produktionsfirmen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Apple an dieser Stelle die bestehenden Kooperationen bei iTunes um ein Live-TV-Angebot erweitern will. Doch das sind nicht die einzigen Hürden, die es zu nehmen gilt.

Skepsis ist noch groß

Wie das WSJ am Donnerstag berichtete, haben die Kabelnetzbetreiber  noch enorme Vorbehalte gegen einen Einstieg Apples in den Fernsehmarkt. Vor allem die Provisionsstrategie, nach der Apple für jede Transaktion – etwa im Appstore – 30 Prozent verlangt, hätte laut Aussage von mit dem Prozess vertrauten Personen einige Kabelanbieter vergrault.

Eine Chance sehen Experten darin, auf ein bewährtes Modell aus dem Mobilmarkt zu setzen: Anstatt als Konkurrent aufzutreten müsste Apple die exklusive Kooperation mit Anbietern suchen, wie damals beim Launch des iPhones in Zusammenarbeit mit AT&T und der Telekom.

So würden alle Parteien profitieren: Apple bekommt den Goodwill der Betreiber, die können die Anschaffungskosten für die sonst geleasten Set-Top-Boxen auf die Kunden umlegen, während diese mit ihrem Apple-Gerät in den Genuss von Live-Fernsehen kommen würden.




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