Das neue iPad im Test: bedingt kaufbereit

22.3.2012 von
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Markus Henkel schreibt auf Justandroid über Neues aus der Androidwelt. Trotzdem ist er iPad-Nutzer der ersten Stunde. Für m-magazin.net hat er das Gerät einem ersten ausführlichen Test unterzogen. Und zeigt sich nur bedingt kaufbereit.


Auch wenn ich immer mal gegen Apple schleudere. Das neue iPad kann zunächst überzeugen. Zumindest das Display  mit seinen 2.048 x 1.536 Bildpunkten lässt euch “erblinden” (nicht wörtlich).  Kein gängiges TV-Gerät schafft zurzeit mehr Pixel darzustellen.

Hier darf man sich gerne fragen, warum die Konzentration auf die hohe Auflösung? Denn der zurzeit herrschende Nachteil: Apple selbst hat als einziger einige Apps bereitgestellt, die einer solchen Aufloesung gerecht werden. Anderen Entwickler-Studios müssen schnellstens nachlegen, tun sie auch. Auch weil die groben Pixel teilweise fürchterlich ausschauen.

Ebenfalls wirken nun Anwendungen wie etwa Office-HD völlig ohne Plan programmiert. Die Office-App ist im Hochformat nur noch für Falken nutzbar oder via Zoom. Und ein Dock mit Tastatur kann eben nur im Hochformat angeschlossen werden (falls nicht zutreffend, bitte ich um Beispiele). Das Problem kann meines Erachtens nur mit neuen Docks im Querformat gelöst werden. Auf dem Bild kommt das Problem m.E. nicht wirklich zur Geltung.

Webseiten allerdings sind der absolute Hammer. Ich schließe mich dahingehend der Aussage des Tech-Magazins The Verge an: “Texte und hochauflösende Bilder sehen aus wie aus einer anderen Welt.”

Sind die Bilder allerdings nicht hochauflösend, sieht das der Betrachter sofort. Das Problem: Die Websites werden in Zukunft aufgeblähter, die Nutzer werden mit langsamen DSL-Leitungen Schwierigkeiten bekommen. iPad-Magazine müssen noch detaillierter dargestellt werden. Gigabytes an Daten verschwenden so allerdings den Platz auf den Tablets.

iPad: Kein Leistungsschub, keine große Innovation

Doch die hohe Auflösung hat neben der erwähnten verpixelten und hochaufloesenden App-Anzeige noch einen weiteren Nachteil. Der eigentlich erwartete Performance-Schub ist nicht wirklich spürbar.

Der 1-Gigahertz-Prozessor A5X verfügt zwar über eine verbesserte Grafikeinheit, doch diese wird für das Retina-Display benötigt. Das macht meines Erachtens aber nichts. Auch weil die Geschwindigkeit des neuen iPad(s) sich gegenüber der zweiten Generation nicht verschlechtert hat.

Der ganz große Sprung bleibt aber aus. In Sachen Gaming kann die neue Grafikeinheit des aktuellen iPad(s) dennoch neue Maßstäbe setzen. Einige Magazine schreiben, dass das neue iPad in ersten Tests doppelt so hohe Werte wie das iPad 2 erzielt. Wer also unbedingt spielen muss: Reinhauen! Der Akku wird es euch allerdings nicht danken.

Innovation hätte ich mir am liebsten beim Display in Sachen Sauberkeit gewünscht. Das Display des iPad(s) verschmiert schon nach wenigen Minuten. Selbst nach dem Putzen waren noch Spuren zu sehen. Im Vergleich: Das HTC Flyer verschmiert zwar auch, doch nach dem Reinigen erscheint das Display zunächst wieder sauber.

Ich selbst habe keine Lösung. Doch mit einigen Milliarden US-Dollar könnte Apple dahingehend locker eine herbeizaubern und zudem nach Jahren endlich wieder eine Innovation aus dem Hut simsalabimsen – vom Retina-Display mal abgesehen.

Akku-Ladezeit ist großer Mist

Gute Grafikeinheit, saugeiles Display, ich gebe es ja zu. Dennoch, einen absolut nicht hinzunehmenden Nachteil beschreibt der größere Akku und dessen Energie-Aufnahme: Um das leergezogene iPad wieder mit Energie zu füllen, muss der Nutzer viel Zeit mitbringen. Vor allem, wenn während des Ladens weitergearbeitet wird. Bis zu 18 Stunden gibt Apple an.

Ich brauchte sogar noch länger. Warum? Ich schaute bei Spotify vorbei, genoss einige Film-Trailer und beantwortete E-Mails. Der Akku lud während dieser Arbeiten nicht. Absolut mistig! Legt man es beiseite, dauert das Laden zirka neun Stunden.

Wird das iPad wirklich so warm/heiss? Ja, das Tablet erhitzt sich tatsächlich bei grafikintensiven Anwendungen. Das störte mich aber nur im Test – wer wenig spielt, braucht sich keine Sorgen machen. Im Sommer könnte sich das Gerät allerdings auf der grünen Wiese eine solche Erhitzung nicht erlauben.

Die integrierte Kamera könnte Apple meines Erachtens ebenfalls weglassen. Wer fotografiert schon mit einem Tablet??? Wer es unbedingt braucht, ok. Die Bilder und Videos sind in Ordnung. Doch für Schnappschüsse nutze ich mein Smartphone, für richtige Bilder meine Spiegelreflexkamera.

Dann vielleicht zwei Tablet-Varianten. Eines mit und eines ohne Kamera. Das würde die Preise für das jeweilige Gerät erheblich freundlicher gestalten. Ich habe für mein iPad (16 GB, 4G/ähhhhh siehe unten, WLAN) satte 599 Euro bezahlt. Bräuchte ich es nicht für die besagten Aufträge, wäre das Gerät für mich einfach kein Thema. Da gibt es sehr gute Android-Alternativen für die Hälfte des Geldes.

Hallo??? LTE werben, aber in Europa nicht möglich

Ja, das iPad verfügt über eine LTE-Schnittstelle. Nein, in Europa kann ich diese Schnittstelle nicht nutzen. Was sich Apple dabei gedacht hat, kann ich leider nicht sagen – geschweige denn schreiben. Aber den Kopf darüber schütteln, das kann ich sehr wohl. In Deutschland wird LTE zwar ausgebaut, nutzt  allerdings andere Frequenzen, sodass das 4G-Modul aus dem dritten iPad nicht mit mit dem deutschen LTE-Netz funktioniert. Softwaretechnisch ist da auch nichts zu machen.

Europäische Mobilfunkanbieter fordern Apple daher auf, die Werbung anzupassen und das iPad in Europa nicht als 4G-Gerät zu bewerben. Beim Kauf in Deutschland wurde mir das LTE ebenfalls schmackhaft gemacht, Frechheit wie ich finde.Egal, gekauft habe ich es mir ja dennoch.

Zurück zum LTE-Problem: Allerdings unterstützt das iPad auch in Deutschland HSPA+ mit Downloadgeschwindigkeiten bis zu 42 Megabit pro Sekunde – das kostet allerdings auch eine Menge Geld. Knapp 75 Euro werden bei der Telekom für den Datentarif “web’n’walk Connect XXL” fällig. Die Hälfte an Datenvolumen, 10 Gigabyte, kostet “nur” 50 Euro. Ihr merkt schon: Schnelle Datenautobahnen kosten noch eine Menge Geld.

Lohnt sich der Kauf eines neuen iPad(s)?

Nun die entscheidende Frage: Lohnt sich der Kauf? Nicht unbedingt. Ein Wechsel vom ersten iPad zum aktuellen Modell kann ich empfehlen. Vorausgesetzt, Ihr wollt mehr als nur E-Mails oder Webseiten abrufen. Euch dürfen zudem die besagten Nachteile nicht stören. Verbesserungen werden wohl in Kürze folgen, mit einigen Nachteilen muss man leben können.

Besitzer eines iPad 2 sollten die Geldbörse verschlossen lassen. Der minimale Unterschied ist das Geld nicht wert – das muss sich Apple auch in den nächsten Wochen gefallen lassen. Den Fanboys wird das nicht gefallen, doch das einzige Innovative am Gerät ist das Display, mehr nicht.

Den Rest und mehr setzen Android-Hersteller schon lange um und spielen dabei locker in derselben Liga. Ich persönlich mag das neue iPad. Die Zukunft wird zeigen, wie schnell Apple Verbesserungen nachlegt. Alles andere wäre für mich eine Enttäuschung.

(via Markus Henkel)




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